„Des Widerspenstigen Zähmung……., einem gebogenen Draht wird eine neue Richtung gegeben!

„Des Widerspenstigen Zähmung: einem gebogenen Draht wird eine neue Richtung gegeben“

Bei meinem neuesten Projekt, einem Unimog 1300 L von Revell, den ich komplett aus dem THW-Modell zu einem Modell mit einem Hydraulikkran umgebaut habe, stand ich vor dem Problem an dem Ladekran die Hydraulikrohre aus 0,5 mm (0,5 mm x 24 = 12 mm Rohr im Original) Messingdraht nachzubilden. Messingstange 0,5 mm war in meinem Fundus nur noch ein Stück von ca. 18-20 cm vorhanden, zudem war es auch noch verbogen. Neues Material beim einschlägigen Versandhandel, zu horrenden Mindestabnahmepreisen und Versandkosten zu beschaffen, wollte mir nicht so recht gefallen. Von einer Rolle Messingdraht knipste ich mir ein Stückchen von ca. 10 cm Länge ab und versuchte die Spannung, die es beim Aufwickeln erhalten hatte zu entfernen. Alle Versuche den Draht einigermaßen in eine Gerade zu bringen, scheiterten kläglich. Bei Biege- und Anpassungsversuchen drehte und wand sich der Kandidat, trotz Fixierens mit der Flachzange oder der Rundzange, in alle Richtungen, nur nicht wohin er sollte. Langsam trieb das Spielchen auch meinen Blutdruck in ungesunde Höhen……

Ich beendete für den Abend meine Basteltätigkeit und setzte mich vor den Fernseher und ging dann schlafen. In der Nacht wurde ich plötzlich wach und erinnerte mich an einen Artikel, den ich in der Zeitschrift „Maschinen im Modellbau“ VTH-Verlag, Baden-Baden, gelesen hatte. Ging es da nicht auch darum, verbogene Drähte, Rohre und Stangen mit einem geringen Durchmesser zu richten und damit wieder gebrauchsfähig zu machen? Das Prinzip hatte ich noch vor Augen, aber ich wollte es genau wissen! Anderntags fand ich im Heft 5/2016 den Artikel, kurz durchgelesen, die Bebilderung studiert und dann ging es los.

Zwei Aluminium-Blechstreifen 1,5 mm stark, in der Grabbelkiste geortet. Mit der Fräse auf gleiche Breite und Länge gebracht war eins, an der Kopfseite eine 1,7 mm Bohrung für den Fixierungsring und 15 mm tiefer eine 0,6 mm Bohrung für den Drahtdurchlass eingebracht, so ging es weiter. In die Drehbank spannte ich ein kleines Bohrfutter ein, dass den dünnen Messingdraht auch festhalten kann. Nun noch die beiden verbundenen Alu-Bleche im Stahlhalter der Drehbank festgeklemmt und in der Höhe ausgerichtet, den Draht in die Bleche eingefädelt und im kleinen Bohrfutter eingespannt. Die Drehbank eingeschaltet und mit ca. 700 U/min laufen gelassen. Mit der Leitspindel wurde der Längssupport nach rechts vom Bohrfutter weggefahren.

Ergebnis meiner Bemühungen war ein Draht dem jegliche Spannung abhanden gekommen war, der zwar nicht supergenau gerade, aber dafür in jede Richtung widerstandslos biegbar war.

Das Prinzip basiert darauf, das der Draht durch die beiden Bohrungen geführt und in Rotation versetzt, auf seiner gesamten Länge viermal abgeknickt und dadurch gerade!!! gezogen wird.

Wer nicht im Besitz einer Drehbank ist, kann diese Prozedur auch mit einer regelbaren Kleinbohrmaschine (Proxxon, Dremel etc.) durchführen. Wichtig ist nur, das dass Richtwerkzeug möglichst gerade vom Bohrfuttermittelpunkt weggeführt wird. Ein Tröpfchen Schmiermittel kann die Arbeit erleichtern.

Die beigefügten Bilder und die Prinzip-Skizze erklären mehr als der ganze Artikel.

Fotografie und Bericht: Hans-Joachim Meyer